19 Dez

Zwischen Mogelpackung und Körperverletzung

Platanenpower lehnt den „HafenMarkt“ ab und fordert einen Neustart

Die Nachbarschaftsintiative Platanenpower lehnt auch den neuerlichen Versuch, einen überdimensionierten Supermarkt am Hansaring zu errichten, ab. Denn um einen solchen handelt es sich auch nach der Umbenennung in einen „HafenMarkt“. Abgesehen davon, dass überhaupt keine Markthalle im klassischen Sinne gebaut werden soll, findet man in diesem einen Getränkemarkt, Tiefkühlkost, „Non-Food“ und eine Drogerie, alles nicht eben typisch für eine Markthalle. Auch eine Bäckerei, ein Sushi-Stand, mediterrane Spezialitäten und eine Salatbar sind heute Bestandteil jedes besseren (und größeren) Supermarktes. Zudem soll es auch nur einen Kassenbereich geben, die einzigen Markthändler bleiben also die Gebrüder Stroetmann.

Max Stroetmann schreibt in seinem Ergänzungsantrag vom 29. November 2019 daher konsequent und ehrlich von einem „Vollsortimenter“ für den „Versorgungseinkauf“. Es gehe nun darum, „die Einzelhandelsfläche des E-Centers mit Bausteine eines Markthallenkonzeptes“ zu ergänzen. Es bleibt also bei einem E-Center – alter Wein in neuen Schläuchen, für das sich jetzt der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Michael Jung feiern lässt. Was dies mit „hafentypischen Flair“ zu tun haben soll und wo die „vielen kleinen Läden“ sind, wird wohl das persönliche Geheimnis des Möchte-Gern-OB bleiben.

Die „Markthalle“ ist somit eine Mogelpackung und entspricht dem damaligen Kompromiss zwischen der CDU und den Grünen. Es bleibt bei Supermärkten – auch der Aldi wird Verkehr anziehen, die nur rentabel sind, wenn auch Kundschaft außerhalb des Quartiers bedient wird. Dies wird auch keineswegs geleugnet: Die Verwaltung geht von 4.600 Fahrten zusätzlich aus. Platanenpower hält diese Schätzung für zu niedrig, da zu einem die Messungen nicht in der Höhe des E-Center-Geländes erfolgt sind, zum anderen der Anlieferverkehr dem Hafenweg zugerechnet wird. Dieser würde dann aber kollabieren, vor allem wenn über diesen auch das ehemalige Osmo-Gelände erschlossen werden soll. Komplett unseriös wird es aber, wenn auf „Verdrängungseffekte“ gehofft wird, die dann nur zu lediglich 500 zusätzlichen Fahrten führen würden – dies hat nichts mehr mit Stadtplanung zu tun, sondern ist esoterisches Wunschdenken!

Doch auch mit diesen frisierten Zahlen muss die Stadtverwaltung einräumen, dass der Verkehrslärm zu einer „relativ hohe Belastung“ führen wird und Gesundheitsgefahren für die Anwohner in der Nachtzeit nicht ausgeschlossen sind. Noch vor wenigen Wochen hat die SPD einen Vollsortimenter abgelehnt und eine „Lösung, die sowohl die Verkehrsproblematik berücksichtigt als auch eine, die die Anwohner akzeptieren“ (Robert von Olberg) gefordert. Dem ist aber nicht so! Dennoch möchte nun die SPD zusammen mit AfD, CDU und FDP diesem Konzept zustimmen. Es wird also das wirtschaftliche Wohl von zwei Kaufleuten über die Gesundheit von hunderten Anwohnern gestellt – dies grenzt an Körperverletzung!

Es reicht nicht, medienwirksam einen Klimanotstand auszurufen – den Worten müssen auch Taten folgen! Es braucht nicht nur am Hansaring ein komplettes Umdenken und einen Neustart! Platanenpower unterstützt deshalb die Sondermahnwache von Fridays for Future am 11. Dezember, 16:30 Uhr vor dem Rathaus, und ruft die Bürgerinnen und Bürger von Münster dazu auf, daran teilzunehmen.

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